Kraftvoll auftauchen Auf lesbischen Spuren in Oerlikon

Zweimal hiess es kürzlich, auf lesbischen Spuren durch Oerlikon flanieren. Angeleitet von Madeleine Marti (Sappho-Verein) und Monika Saxer (bücherraum f) ging es vom Oerlikoner Bahnhofplatz nach Neu-Oerlikon.

Beim Start an der Nansenstrasse erzählt Madeleine Marti, umtost vom Verkehrslärm, über die Aargauerin Ida Erne (1906-1990), die es nach Oerlikon verschlug. Wir erfahren, wie die lesbische Liebesgeschichte “Anders als die Andern” in den 1950er-Jahren entstanden ist, die Madeleine im letzten Jahr herausgegeben hat. Mit einem Regenbogenfähnli vorn und einem hinter der Gruppe marschieren wir zum Kino Sternen. Es sieht aus wie eine unbewilligte Demo. Beim Kino erzählt Madeleine über verschiedene Versionen des Films “Mädchen in Uniform”, basierend auf einem Roman von Christa Winsloe, der die Liebe einer Schülerin zu ihrer Lehrerin darstellt. Auf dem Weiterweg zum Bahnhof blendet Monika Saxer einen Werbespruch für unsere Lieblingsbuchhandlung Nievergelt ein. Dann gibt es ganz kurz Informationen über den Bahnhof Oerlikon und das Quartier Neu-Oerlikon.

Durch die Unterführung gelangen wir ins ehemalige Industriegebiet und freuen uns, dass die Hälfte der neuen Strassen nach Frauen benannt worden ist. Die Therese-Giehse-Strasse (267m) ist ja auch ganz stattlich. Doch das bleibt nicht so. Weiter geht es zum schief stehenden Strassenschild der Erika-Mann-Strasse (Beginn, Ende und Länge unklar). Madeleine und Monika sind sich nicht einig, wo es weitergeht. Als Monika schliesslich ihren Wanderkompass aus der Tasche zieht, wird es Madeleine zu bunt. Energisch marschiert sie nach rechts, und etwa die Hälfte der Gruppe folgt ihr. Monika läuft geradeaus in ein Niemandsland mit dem Rest der Gruppe. Bei einem Parkplatz könnte es nach drei Seiten weiter gehen. Monika entscheidet sich für die schmale Strasse zwischen einem steilen Abhang und Recyclingcontainern. Bei der zweiten Führung im Dunkeln ist es etwas gruselig, und sie verliert kurzfristig zwei Frauen. Nach einer Kurve sehen wir weiter vorn die Teilgruppe von Madeleine bei einem Strassenschild. Des Rätsels Lösung: Monika ist auf der Erika-Mann-Strasse gelaufen, aber Madeleine war schneller am Ziel, der Tafel mit den Jahreszahlen von Erika Mann.

   In alt-patriarchaler Umgebung: Die Strassenschilder für Erika Mann sind vor der Montage noch von Männern umrahmt.

Es geht zurück zur Therese-Giehse-Strasse und zu einem Gittertor mit einem Lastwagenparkplatz dahinter. Das ist der mickrige, nicht zugängliche Annemarie-Schwarzenbach-Weg (155m). Madeleine erzählt die Lebensläufe dieser drei Frauen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die schwierige Zeit, in der sie lebten. Ihr grosses Wissen illustriert sie mit vielen Fotos.

Der Rundgang endet mit einem gemütlichen Höck im bücherraum f. Monika erzählt die Geschichte von schema f und vom bücherraum f. Vor fünf Jahren hat Madeleine hier die erste Lesung mit Ahima Beerlage organisiert.

 

Monika Saxer

 

Fotos: Sabine Wunderlin (oben und unten)

Albert Coers (Mitte)